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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Unterwegs an Lahn und Sieg

Schon von der „Papierform“ her ist der 240 km lange Lahnradweg ideal für eine etwa drei- bis fünftägige Radtour: eine abwechslungsreiche Landschaft, malerische Städte und schließlich die gute Erreichbarkeit vom Niederrhein aus.

Viele Radtouristen starten in Marburg und fahren dann flussabwärts. Wir wollten aber auf jeden Fall auch die Quelle besuchen. Da dieses Gebiet im Kreis Siegen-Wittgenstein mit dem Zug nicht erreichbar ist, starten wir an der Mündung bei Koblenz und radeln die Lahn flussaufwärts, um dann nach Überqueren der Wasserscheide die Sieg hinab zu fahren. Von meinen Touren in den 80er Jahren hatte ich noch etwas unangenehme Erinnerungen an den recht starken Autoverkehr im Siegtal. Deshalb war ich gespannt, ob der neue Sieg-Radweg - für den ja seit einiger Zeit intensiv geworben wird - inzwischen verkehrsärmere Wege erschließt.

Bei Lahnstein rollen wir auf die „Bäderstraße“, benannt nach den zahlreichen Kurstädten, die mit ihren Heilquellen Linderung für allerlei Krankheiten versprechen. Wir müssen davon zum Glück noch keinen Gebrauch machen und genießen in Bad Ems nur die Aussicht auf die pompösen, reich verzierten Kurhäuser an der Uferpromenade. Am unteren Lahntal wechselt sich dichter Laubwald mit vereinzelten Weinhängen ab. Dazwischen liegen immer wieder malerische Orte, an denen uralte Steinbrücken den Fluss überspannen.

Da wir erst mittags gestartet sind, endet unsere erste Etappe bereits nach 40 km in Nassau. Hier ist alles zwei Nummern kleiner, aber auch beschaulicher als im mondänen Bad Ems. Am anderen Morgen nutzen wir die steile Auffahrt zur Burg Nassau, um unsere Beine „aufzuwärmen“ und die großartige Aussicht zu genießen.

Auch für die kommende Etappe kündigt die Karte ein paar Steigungen an, da das Tal hier sehr eng wird. Am Radwanderweg weisen Schilder dann auf einen Eisenbahntransfer zwischen Obernhof und Balduinstein hin. In der Hauptreisezeit können die Radwanderer dort sogar auf kleine Boote umsteigen, um die Steigungen zu umgehen. Ein schöner Service beispielsweise für Familien mit Kindern. Wir machen davon keinen Gebrauch, sondern fahren gut 150 m hinauf, erfreuen uns an der Aussicht und rollen nach ein paar Kilometer wieder hinab Richtung Dietz. Auch hier trohnt eine Burg, in der sich eine Jugendherberge befindet, über der malerischen Altstadt.

Schließlich erreichen wir Limburg, wo wir uns Zeit für einen ausgedehnten Stadtrundgang nehmen. Höhepunkt - im wahrsten Sinne des Wortes - ist natürlich der weithin sichtbare siebentürmige Dom mit seinem rot-weiß verzierten Mauern. Abends leistet unser Unterkunftsverzeichnis gute Dienste, denn die Hotels sind hier nicht ganz billig und liegen teilweise an Hauptstraßen. Nach einiger Sucherei finden wir schließlich doch ein hübsches kleines Hotel direkt in der Altstadt.

Am nächsten Tag folgt die zweite kleine „Bergetappe“ bei Villmar. Eine Sehenswürdigkeit besonderer Art ist der 1847 erbaute Schiffstunnel in Weilburg - einzigartig in Deutschland. Für technisch Interessierte lohnt sich ein Abstecher zum Besucherbergwerk „Fortuna“ in einem ansteigenden Seitental bei Solms, wo 1849 die Erzförderung aufgenommen wurde. Leichter zu erreichen ist das Stadtmuseum Leun mit landwirtschaftlichen Geräten und Ausstellungen zur historischen Wohnkultur.

Unser Etappenziel ist Wetzlar, wo uns wieder eine Altstadt mit hübschen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen erwartet. Ohne langes Suchen finden wir unser kleines Hotel direkt am ruhigen Nordufer der Lahn, nur ein paar Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt.

Am nächsten Tag zeigt sich ein verändertes Landschaftsbild: bis Marburg fließt die „junge“ Lahn ohne große Windungen durch ein weites Tal mit sanft gerundeten Hängen. Leider haben sich dies auch die Erbauer der Autobahn zunutze gemacht, an deren Flanke der Radwanderweg zwischen Wetzlar und Gießen verläuft. Gerade weil der Weg praktisch autofrei ist, stören die Fahrgeräusche unsere sensiblen Ohren. Oberhalb von Gießen folgt dann wieder ein ruhiger Streckenabschnitt ohne besondere Höhepunkte bis zur Universitätsstadt Marburg. Der steile Aufstieg zum eindrucksvollen Schloss wird mit einer grandiosen Aussicht über das weite Tal belohnt. Fahrradfreundlich ist die Stadt aber keineswegs: An manchen Ampeln warten wir minutenlang auf die Grünphase, die dafür nur Sekunden dauert. Marburg ist für viele Lahnradler Startpunkt oder Ziel, denn die Stadt ist verkehrsgünstig gelegen lohnt und bietet auch genügend Abwechslung für einen längeren Aufenthalt. Doch wir haben uns inzwischen gut eingerollt und wollen zur Quelle hinauf. Die Steigungen in dem nun wieder enger werdenden Tal mehren sich, sind aber immer nur kurz. Auch der Autoverkehr nimmt schnell wieder ab, sobald wir Marburg hinter uns gelassen haben. Unser nächstes Etappenziel ist Biedenkopf, ein hübsches Städtchen mit zahlreichen Fachwerkhäusern. Ortsnamen wie Ludwigshütte oder Wolfsgrube erinnern daran, dass hier vor Jahrzehnten intensiver Erzbergbau betrieben wurde. Heute lebt man vor allem im benachbarten Luftkurort Bad Laasphe von Touristen und Kurgästen. Hier beginnt für uns die „Bergprüfung“, denn es sind ca. 350 Höhenmeter zu bewältigen. Von der Baustelle mit Waschbrett-Schotterpiste, über die wir uns die letzten 5 km bis zur Quelle quälen mussten, ist heute bestimmt nichts mehr zu sehen. Inzwischen rollen die Radtouristen dort sicher auf einem schönen breiten Weg. Etwas in Schweiß aufgelöst erreichen wir die Quelle, die eigentlich ein kleiner, von Bäumen umstandener Teich ist.

Wir befinden uns auf der Wasserscheide zwischen Westerwald und Siegerland: Nur gut zwei Kilometer entfernt entspringt die Sieg. Dort erfrischen wir uns etwas und dann geht es in rasanter Fahrt bergab bis ins 20 km entfernte Siegen.

Die Beschreibung des Siegtalradweges mit seiner chaotischen Beschilderung und des häufig an Bundesstraßen verlaufenden Radwanderweges ersparen wir unseren Lesern hier. Von den ersten 20 und den letzten 40 km bis zum Rhein einmal abgesehen verdient er das Prädikat „nicht empfehlenswert“.

Der Lahn-Radweg hingegen hat eine Auszeichnung erster Güte verdient. Die wenigen Stellen, an denen sich der Autoverkehr unangenehm bemerkbar macht, können den positiven Gesamteindruck in keiner Weise schmälern.

Karte:
Radwanderweg Lahntal, VUD-Verlag (http://www.vud.com),
Kartenblätter im Maßstab 1:75.000, mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten und ausgewählten Unterkünften, DM 19,80

Tourist-Information:
Fremdenverkehrsverband Westerwald-Lahn-Taunus e.V.,
Tel. 06431 - 29 62 21

Organisierte Touren:
Lahntours Aktivreisen,
Tel. 06426 - 855

Andreas Domanski