Doch zunächst, was ist Vorschrift:
- ein Dynamo von 3 W mit einer Nennspannung von 6 V
- ein nach vorn wirkender Scheinwerfer für weißes Licht
- ein nach vorn wirkender weißer Rückstrahler
- eine Schlussleuchte für rotes Licht
- ein roter Rückstrahler, der sich nicht höher als 600 mm über der Fahrbahn befindet
- ein roter Großflächen-Rückstrahler
- nach vorn und nach hinten wirkende gelbe Rück strahler an den Pedalen
- mindestens zwei um 180° versetzt angebrachte, zur Seite wirkende Rückstrahler an den Speichen des Vorder- und des Hinterrades oder ringförmig zusammenhängende reflektierende Streifen an den Reifen bzw. den Speichen des Vorder- und des Hinterrades
- Alle Komponenten müssen das deutsche Prüf zeichen für zugelassene Beleuchtung tragen, fest installiert und stets betriebsbereit sein
Empfehlenswert ist außerdem:
- Scheinwerfer und Schlussleuchte mit Standlicht funktion
- reflektierende Kleidung, z.B. Warnweste
Folgende Ausnahmen gelten für Rennräder (und nur für genau diese), deren Gewicht nicht mehr als 11 kg beträgt:
- anstelle des Dynamos dürfen Batterien für den Betrieb von Scheinwerfer und Schlussleuchte genutzt werden
- der Scheinwerfer und die vorgeschriebene Schlussleuchte müssen nicht fest am Fahrrad angebracht sein; sie sind jedoch betriebsbereit mitzuführen und wenn erforderlich zu benutzen
- es darf auch ein Scheinwerfer niedrigerer Nenn spannung als 6 V mitgeführt werden.
Des Weiteren sind Rennräder für die Dauer der Teilnahme an Rennen von den Vorschriften zur Beleuchtung befreit.
Schwachpunkte und Alternativen
Die Schwachpunkte eines herkömmlich beleuchteten Rades sind:
- einadrige (und offene) Verdrahtung
- Glühlampen/Halogenlampen
- Seitenläufer-Dynamo
- Leiterbahnen in Schutzblechen
Verdrahtung
Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden am Fahrrad nur einadrige Kabel zu den Leuchten geführt. Der Stromkreis wurde über den Fahrradrahmen geschlossen. Es bedurfte nur weniger Jahre, dann war infolge von Korrosion oder ungeeignetem Metallmix der Kontakt zwischen Rahmen und Leuchte oder Dynamo nicht mehr gegeben. Statt einadrigen Kabeln sollten nur zweiadrige Verwendung finden. Der Stromrückfluss geschieht dann über die zweite Ader.
Oft werden Kabel außen am Rahmen verlegt, wo eine Rangelei beim Abstellen ausreicht dieses zu beschädigen. Besser ist es alle Kabel weitestgehend im Rahmen zu verlegen. Allerdings sollten die Übergänge sorgsam geschützt werden. Strecken außerhalb des Rahmens sollten durch (Schrumpf-) Schläuche oder dünnwandige Kunststoffrohre geführt werden. So manche Gepäckträgerstrebe ist hohl und kann hierzu genutzt werden.
Die abisolierten Litzen des Kabels sollten nicht einfach in Leuchten oder Dynamos gesteckt werden. Kupfer korrodiert mit der Zeit und leitet dann nicht mehr. Die abisolierten Enden gehören verlötet und in Kabelschuhe mit Schrumpfschlauchisolierung. Beim Kauf von Dynamos und Leuchten bitte auf Kontakte für Kabelschuhe achten!
Glühlampen
Der Wirkungsgrad einer Glühlampe ist denkbar schlecht. Der größte Teil des Stromes, den wir mit unseren Muskeln erzeugen, wird in Wärme umgesetzt und nicht in Licht. Der Draht der Glühlampe wird mit der Zeit durch Elektromigration immer dünner und brennt schließlich durch. Erschütterungen und tiefe Temperaturen können das Ende beschleunigen. Da das Ende jederzeit kommen kann, müssen ständig Ersatzbirnchen mitgeführt werden. Der Austausch eines Birnchens gestaltet sich meist noch relativ einfach, aber diese aberwitzig primitiven Federkonstruktionen innerhalb einer Leuchte können die Kontaktfindung zum Albtraum werden lassen. Die klare Alternative zur Glühlampe lautet LED. Aus 3 W macht sie 40-80 Lux. Eine LED hat eine Lebensdauer, die die Betriebsstunden eines Rades in der Regel deutlich übersteigt und ist fest eingelötet. Einmal montiert leuchtet sie und leuchtet und leuchtet ...
LED Rücklicht und Scheinwerfer kosten knapp 10 € bzw. 40 €.
Dynamo
Die meisten Räder haben immer noch einen Seitenläufer-Dynamo und dazu noch einen der einfachen Sorte. Der Wirkungsgrad bei den billigen Modellen ist miserabel; wenn er in Betrieb ist, hat man das Gefühl bei starkem Gegenwind zu fahren.
Moderne Modelle laufen dagegen sehr viel leichter, besitzen aber immer noch den Nachteil aller Seitenläufer: Bei widrigen Bedingungen, womöglich begünstigt durch liederliche Montage, rutschen sie durch und man fährt ohne bzw. mit wenig Licht. Durch bürstenartige Aufsätze lässt sich die Durchrutschgefahr stark verringern, die Abnutzung des Reifens steigt jedoch geringfügig.
Bei Kauf eines neuen Velos oder wenn die vordere Felge „durchgebremst“ ist, sollte man nur noch zu einem Vorderrad mit Nabendynamo greifen.
Nabendynamos liefern Strom, solange sich das Rad dreht und dies, ohne dass man es bemerkt. Ein zusätzlicher Vorteil ist die Möglichkeit von Automatiklicht, Scheinwerfer mit einem Helligkeitssensor schalten das Licht beispielsweise bei Tunneldurchfahrten selbstständig ein und danach auch wieder aus. Hier gilt die einfache Regel: Je besser, desto höher der Wirkungsgrad. Ein neues Vorderrad mit Nabendynamo kostet knapp 100€.
Schutzblech
Mancher mag sich verwundert fragen, was haben Schutzbleche in einem Artikel über Fahrradbeleuchtung zu suchen. Nun, seit ein paar Jahren sind Schutzbleche auf dem Markt, die eingeschweißte Leiterbahnen enthalten. Über Steckkontakte können diese Leiterbahnen genutzt werden, um den Strom vom Dynamo zu den Strahlern zu führen. Das klingt eigentlich nach einer eleganten Lösung und sieht auch so aus, aber die ständigen Erschütterungen, denen ein Fahrrad ausgesetzt ist, führen im Laufe der Zeit zu Haarrissen in den Leiterbahnen. Damit wird der Stromkreis unterbrochen. Also „Finger weg“ von dieser Art von Schutzblechen.
Fehlersuche und Reparatur
Eine sehr ausführliche Reparaturanleitung findet sich unter www.pdeleuw.de/fahrrad/reparaturkurs/beleuchtung.html